Der med. Masseur ist 100!
Die alten Griechen, Inder, Chinesen und Perser nutzten sie Jahrtausende früher. Um Krankheiten zu lindern, oder um sich einfach nur wohler zu fühlen - in Ihrer Haut. Deutschland war eines der letzten Länder in denen sich die Massage etablierte. Dennoch fand die Geburtsstunde des "staatlich anerkannten Masseurs" in Deutschland statt.
Zu groß waren die moralischen Bedenken vom frühen Mittelalter bis in die Zeit des Biedermeiers. In Mitteleuropa therapierte eine Hand voll Ärzte seit dem 18. Jahrhundert mit Massagen, inspiriert von Hippokrates, Galen oder auch Paracelsius, setzten sie sich wissenschaftlich mit ihr auseinander, um die therapeutischen Wirkungen nutzen und einschätzen zu können.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren es ausschließlich männliche Ärzte, welche medizinische Massage verabreichten. Die erste staatliche Massageschule wurde um 1900 von Prof. Bergmann an der Berliner Charité gegründet. Eine sehr progressive Schule, an der erstmals Frauen ausgebildet wurden und an der auch nichtärztliches Personal geschult wurde: Die staatlich geprüften Masseurinnen und Masseure.
Berlin, die fantastische Weltstadt der 20er Jahre, wurde schließlich zur absoluten Metropole für außergewöhnliche Therapeuten mit Kultstatus. Neben Ärzten wie Bergmann oder Sauerbruch gab es Masseure, deren Erkenntnisse bis heute für Therapeuten auf der ganzen Welt von großem Nutzen sind. Ob Joachim von Puttkammer, Felix Kerstin oder Cornelius, alle entwickelten sie innerhalb der manuellen Methoden die unterschiedlichsten therapeutischen Ansätze.
Tatsächlich kam es in Deutschland seit Anfang des letzten Jahrhunderts zu einem wahren Boom in Sachen Neuentwicklung manueller Therapieverfahren. Weltweit wurden dabei nirgends mehr Methoden erfunden oder maßgeblich entwickelt. Wenn man dann noch so exotische Namen wie Yin Yang-Massage, Akupunktmassage oder Schlüsselzonenmassage hört, denken die meisten dabei an Asien. Die wenigsten wissen, dass es sich dabei um europäische Methoden handelt, die in Deutschland entdeckt wurden, basierend auf der Meridianlehre, aber völlig eigenständig und originell.
Die beste Methoden nützen nichts, wenn sie nicht angewendet bzw. verordnet werden. Daher sind die meisten Methoden heute vom Aussterben bedroht. Massage ist eine praktische Heilkunst, die trainiert werden muss. Der Entdeckergeist hat sich bis heute gehalten, noch immer setzen sich Behandler für die Behandlung mit den bloßen Händen ein. Sie haben Erfolge, von denen die Presse leider zu selten berichtet. Schade ist auch, dass manuelle Therapieverfahren nicht nur sehr gut Krankheiten regulieren können, sondern dass sie auch noch so angenehm wohltuend sind, für manche Grund genug sie nicht mehr zu verordnen. von Arno Stolz
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